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ÜbersichtBearbeiten

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Eigentlich wäre unser französischer Nachbar ein guter Kandidat für günstige Lösungen. Die Mobilfunkpreise sind dort niedrig und der Wettbewerb hart. Doch ist leider in Frankreich der Prepaid-Bereich völlig unterentwickelt und überteuert. Das liegt daran, dass fast alle Laufzeitverträge ohne Bindung und damit monatlich kündbar sind (sog. forfaits sans engagement). Damit stehen sie zwischen üblichen 24-Monats-Verträgen und Prepaid. Prepayé ist dementsprechend unpopulär mit einem Marktanteil von unter 10% im Jahr 2018. Einen Forfait (oder Laufzzeitvertrag) bekommt man aber in der Regel als Deutscher ohne französisches Bankkonto nicht, was die Auswahl für uns erheblich einschränkt.

Es gibt 4 Netze in Frankreich:

  • Orange (France Télécom)
  • SFR
  • Bouygues Télécom
  • Free Mobile

Damit könnten wir Frankreich einfach übergehen oder nur überteuerte prepaid Angebote listen, würden nicht ausgerechnet zwei Preisbrecher im Land Free Mobile und Sosh dann doch Ausländer in ihr Netz lassen. Bei beiden handelt es sich um Laufzeitverträge, die jedoch jederzeit gekündigt werden können.

Free's und Sosh's Angebote sind einzigartig in Frankreich und für unsere Zwecke werden die anderen Anbieter hier nicht weiter berücksichtigt. SFR und Bouygues bieten kein Auslandsroaming auf ihre Prepaidprodukte und Orange macht das zwar, aber zu ziemlich hohen Preisen. Selbst die MVNOs bieten kaum Schnäppchen und noch mehr Hindernisse von Kauf bis Aufladung.

Daher werden hier nur Free Mobile und Sosh mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt, da es sich in der um einen Laufzeitvertrag handelt, der im Gegensatz zu Prepaid gewisse Besonderheiten hat und den man dann auch nicht mehr so ganz einfach los wird. Weitere Prepaid-Angebote aus Frankreich findet man auf Englisch im Prepaid Data Wiki dargestellt. Gewisse Französischkenntnisse sind bei beiden vorgestellen Optionen ratsam, schließlich unterzeichnet man einen legal bindenden Vertrag, den man auch besser verstehen sollte.

Zunächst ist auch Frankreich ein "hartes" Registrierungsland, wo die SIM-Karte nur vor Ort in den Läden der Betreiber gegen Vorzeigen des Ausweises gekauft werden kann und es keinen Online-Handel gibt. Bei Free ist dies in dieser Weise modifiziert, dass über die Kreditkarte, die zum Kauf nötig ist, eine eindeutige Identifizierung erfolgen soll; bei sosh geht das über ein französisches Bankkonto. Hier soll zunächst Free dargestellt werden, da es sich um die einfachere Variante handelt und Sosh wesentlich aufwändiger ist.

Danke an die User rmol, Strasbourg und Piston aus dem TT-Forum für ihre hilfreichen Tipps.

Free MobileBearbeiten

Free1

Free Mobile als Mobilfunkmarke der Iliad-Gruppe um Xavier Niel ist das 4. Netz in Frankreich. Es startete als letzter Anbieter erst 2000 und baut nur ein 3G und 4G/LTE-Netz aus. Für Gebiete ohne eigene Abdeckung nutzt es bisher nationales Roaming mit Orange ohne Aufpreise, aber mit gewissen Einschränkungen und dieses Roaming soll bald auslaufen. In Frankreich hat es etwa 18.000 Sendestationen und die schwächste Abdeckung mit 90% der Bevölkerung oder 66% der Fläche im Jahr 2018 laut Regulierer ARCEP. Dafür ist es dort der Preisbrecher mit der aggressivsten Vermarktung im Land. 

In Deutschland roamt Free Mobile priorisiert im Netz von Telefónica (o2). Ein Einbuchen bei Telekom und Vodafone kann zwar erfolgen, jedoch wirkt etwas Streering dagegen. Bislang war das Fehlen von LTE-Roaming ein entscheidender Nachteil von Free. Seit November 2018 scheint sich das zu ändern. Nach Belgien, Portugal und der Schweiz wurde nun auch LTE im deutschen Netz von o2 beobachtet, ab Frühjahr 2019 auch im deutschen LTE-Netz von Vodafone. Die Geschwindigkeit schien dabei zunächst ggü. original Verträgen etwas depriorisiert zu sein und auch der Ping weist eine ziemlich hohe Latenz für Roaming von über 100 ms auf. Das hat sich aber inzwischen etwas verbessert.

Verglichen mit monatlich kündbaren o2-Reseller-Verträgen liegen Free's Preise mit 0,80 € pro GB unter 50% der deutschen Angebote etwa auf der Höhe des kleinen Funk-Tarifs von Freenet, der allerdings kein Roaming hat. Verglichen mit Vodafone LTE ist er sehr viel günstiger, wenn man das Steering abwehrt.

Kauf Bearbeiten

Free borne

Seit seinem Start hat Free Mobile neuartige Konzepte gegenüber den anderen Anbietern verfolgt. Dies gilt auch für den Kauf und die Tarife. Die SIM-Karte gibt es zwar auch in ihren Läden (den sog. Free Centres) online an französische Adressen gesandt. Die bevorzugte Methode sind aber ihre Selbstbedienungs-Automaten (bornes interactives) die sowohl in Free Centres als auch in Geschäften der Partner Mag Press und Maison de la Presse stehen. Auf dieser Seite kann man nach einer Ortseingabe in das leere Feld den nächstliegenden finden (franz. Schreibweise beachten).

Free verspricht die SIM-Karte in 3 Minuten. Dazu muss man nur auf das Touch Screen Menu gehen unter "Inscription", eine von 2 angebotenen Tarifen wählen, eine neue SIM-Karte und Nummer auswählen, die Größe der SIM wählen, das alles bestätigen und dann mit Kreditkarte bezahlen. Der ganze Vorgang ist in diesem Video gezeigt und auch ohne große franz. Sprachkenntnisse möglich. Deutsche Kreditkarten als Visa oder MasterCard werden akzeptiert und SIM und Tarif sind sofort aktiviert. 2016 wurden zusätzlich zudem, was im Video gezeigt wurde, noch 2 Laufzeiten zugefügt, wie hier auf dem Foto zu sehen ist und weiter unter bei den Tarifen erklärt wird.

Generell ist es auch möglich ohne einen Frankreich-Besuch online die SIM-Karte zu bestellen. Sie wird aber nur an französische Postadressen verschickt. Wenn man keine Bekannten in Frankreich hat, kann man einen Post-Weiterleitungsdienst mit der Lieferung nach Deutschland beauftragen (s.u.).

Tarif Bearbeiten

Die Tarife von Free Mobile sind sehr einfach, denn es gibt überhaupt nur drei Laufzeittarife (fortfaits) für 30 Tage, die monatlich kündbar oder verlängerbar sind. Eine Kopplung mit der Freebox macht für deutsche Kunden keinen Sinn:

  • 2 € Tarif (“Forfait 2€”) mit 2 Stunden Gespräche in Frankreich und in viele andere Länder, unbegrenzte SMS und MMS in Frankreich, aber nur 50 MB Daten - danach 0,05 € pro MB (also ca. 50 € pro GB), Verbindung zu 5 Millionen Free WiFi Hotspots in Frankreich.
  • 8,99 € Tarif ("Série Free") mit Sprach-, SMS und MMS-Flat und 60 GB in Frankreich, aber nur 4 GB Roamingvolumen für die EU/EWR.

Zwar kann man die Inklusivleistungen auch in der EU/EWR nutzen. Da aber nicht viel inkludiert ist, nutzt das wenig und die beiden Tarife ist für unsere Zwecke nicht zu gebrauchen, im Gegensatz zu folgenden:

  • 19,99 € Tarif (“Forfait Free”) beinhaltet unbegrenzte Anrufe in Frankreich und in viele anderen Länder, unbegrenzte SMS und MMS in Frankreich; mit einem LTE-fähigen Smartphone: 100 GB Daten im Free-Netz in Frankreich in LTE oder in 3G auch im Orange-Roaming, danach Drosslung auf 128 kbit/s; mit keinem LTE-fähigen Gerät nur 3 GB 3G Daten bei Free und Orange in Frankreich, Verbindung zu 5 Mio. Free WiFi Hotspots in Frankreich und den "Pass Destination".

Pass Destination: Da sich zunächst die Angebote nur auf Frankreich beziehen, wäre das nicht so besonders. Aber Free spendiert auch die Roamingoption "Pass Destination" zum 19,99 € Tarif jeden Monat dazu. Die beinhaltet max. 25 GB Daten in max. 3G Geschwindigkeit in allen EU/EWR-Ländern, Schweiz, Israel, Türkei, Algerien, Australien, Neuseeland, Thailand, Südafrika, Kanada, USA, Mexiko, Russland, China, den Kanalinseln, Isle of Man, Ukraine und Brasilien. Ferner sind unbegrenzte Anrufe und SMS überall von der EU überall in die EU eingeschlossen (Ausnahme: von Frankreich in deutsche Mobilfunknetze nicht!). Bei Überschreiten der 25 GB werden 5 Cent pro MB fällig.

Laufzeiten Bearbeiten

Free sim

Dieser Abschnitt ist sehr wichtig, wenn man sich für Free entscheidet, denn es ist keine Prepaid-Lösung, sondern ein Laufzeitvertrag. Im interaktiven Menu des Verkaufsautomaten werden zwei Optionen angeboten, die wir deshalb noch genauer anschauen sollten:

  • eine Option mit nur 1 Monat Laufzeit ("Valide 1 mois")
  • eine Option mit unbegrenzter Laufzeit ("Pas de limite de validité")

In beiden Fällen kostet die Herausgabe der SIM eine einmalige Aktivierungsgebühr am Automaten von 10 €, d.h. der erste Monat kostet in jedem Fall 19,99 € + 10 €, also 29,99 €. Für die unbegrenzte Laufzeitoption werden auch noch Kosten später für die Kündigung fällig (s.u.).

Beide Optionen haben Vor- und Nachteile: Bei der Option für 1 Monat muss man sich nicht um eine Kündigung des Vertrags kümmern - er läuft einfach zum Monatsende aus. Dieser Vertrag kann jeden Monat online für 1 oder 2 weitere Monate verlängert werden. Dafür wird die Kreditkarte, die beim ursprünglichen Kauf benutzt wurde, belastet. Man kann auch alternativ zu einem unbegrenzten Laufzeitvertrag wechseln. Wenn man aber das Verlängern oder Umwandeln vergisst, läuft der Vertrag einfach aus, ohne die SIM-Karte wieder aktivieren zu können. Wegen der nicht völlig klaren FUP-Bestimmungen für Dauerroamer ist diese Option zunächst angeraten.

Daneben gibt es aber auch die unbegrenzte Laufzeitoption. Hier schließt man einen legal bindenden Vertrag auf unbestimmte Zeit mit Free in Frankreich ab, der monatlich die deutsche Kreditkarte belastet. Um diesen Vertrag zu beenden, muss man eine schriftliche Kündigung ("lettre de résiliation") - mit 10 Tage Kündigungsfrist zum Ende des Vertragsmonats verschicken. Es ist anzuraten (aber nicht verpflichtend) dies als Übergabeeinschreiben ("recommandé avec avis de réception" auf Französisch abgekürzt "LRAR" oder "avec AR") zu versenden. Die Kündigung muss Namen, Telefonnummer und Kündigungstermin enthalten und an diese Adresse gerichtet sein: Free Mobile, Résiliation, 75371 PARIS Cedex 08. Ein Muster eines Kündigungsschreibens auf Französisch kann man hier finden. Als Einschreiben kostet es 5,20 € von einem franz. Postamt und etwas mehr aus Deutschland oder 7,07 € (= 5,20 € + 1,87 € für 1 Seite), um es online über die offizielle Boutique La PosteWebsite zu versenden. Alternativ geht es auch als regulärer Postbrief für 0,90 € Porto von Deutschland aus. Man muss mit einer Woche Laufweg aus Deutschland rechnen plus den 10 Tagen Kündigungsfrist. Schlägt die Kündigung fehl, wird weiter monatlich die Kreditkarte belastet.

Man kann den Vertrag nicht einfach ruhen lassen oder pausieren. D.h. eine Kündigung oder Nicht-Verlängerung führt zum definitiven Vertragsende und endgültigen Verlust der SIM-Karte mit Nummer. Es ist allenfalls unter bestimmten Voraussetzungen wie mind. 3 Monaten bisherige Laufzeit und Gebühren von 10 € möglich, online vom 19,99 € auf den 2 € Tarif umzusteigen. Der gegensätzliche Umstieg vom 2 € auf den 19,99 € Vertrag ist ohne Zusatzgebühren jederzeit möglich.

FUPs Bearbeiten

Die bis zu 100 GB (oder sogar unendlichen Daten mit einer FreeBox) in Frankreich sind im internationalen EU-Roaming auf 25 GB (effektiv nach User-Berichten ca. 800 MB pro Tag, was von Free nicht genannt wird) beschränkt. Was die Zeit-FUP gegen Dauerroaming von mehr als 4 Monaten angeht, gibt es noch zu wenige Erfahrungen. Nutzer wurden bei gelegentlichen Einbuchen ins französische Netz alle paar Monate dauerhaft auch nach Jahren bisher keine Aufpreise auferlegt. Free Mobile droht allerdings mit Aufpreisen, setzt sie aber bisher nicht unbedingt um. Dennoch sollte man nach 4 Monaten Dauerroaming etwas vorsichtig sein und nach einer Warnung mit 2 Wochen Frist vor der Erhebung etwaiger Zusatzgebühren (von ca. 5,50 € pro GB im Jahr 2019) das Roaming besser beenden. Daher eignet sich die zeitlich begrenzte Option mit monatl. Verlängerungen zunächst besser, als die unbegrenzte Laufzeitoption mit einer Kündigung, die man vielleicht erst zu spät aussprechen kann und damit einen Monat ohne Roaming weiter zahlen muss.

App Bearbeiten

Free app

Alle Managementaufgaben der SIM (außer Kündigung) kann man auch online in seinem "Compte Free" auf der Webseite erledigen. Es gibt auch eine App für iOS und Android "mon compte Free Mobile", die allerdings geo-beschränkt ist. Android-Nutzer können sie hier herunterladen und installieren und auch iOS-Nutzer bekommen eine Anleitung, wie sie dennoch zu bekommen ist.

Vente-Privee Bearbeiten

Vente-privee

Über die französische Verkaufsplattform vente-privee werden regelmäßig verbilligte Free-Verträge angeboten. Der auch in Deutschland aktive Händler offeriert sie nur über sein franz. Angebot, dass über ein franz. VPN bzw. franz. IP-Adresse gezeigt wird. Dabei muss eine gefakte Lieferadresse in Frankreich angegeben werden, wo die SIM natürlich nie ankommt. Man hat jedoch die Möglichkeit einen Monat lang nach Kauf eine Ersatz-SIM an einem Free-Automaten in Frankreich für 10 € mit den bei Bestellung erhaltenen Log-in-Daten zu ziehen. Die wechselnden Angebote sollte man sich jedoch gut durchlesen und aufpassen: Sie starten bereits ab 0,99 €/Monat (für die ersten 12 Monate, aber jederzeit kündbar), haben aber häufig geringere Inklusivleistungen wie nur 4 GB Roaming anstatt der sonst üblichen 25 GB.

Postnachsendung Bearbeiten

Grundsätzlich sind sowohl die Angebote von Free Mobile direkt online bestellt, als auch die Promotions von vente-privée nach Deutschland versendbar, wenn man den Umweg über einen Postweiterleitungsdienst wählt. Der bietet an, gegen Aufpreis den Brief an eine vorher angegebene französische Adresse nach Deutschland weiterzusenden. Eine Free mobile-Bestellung wird dann beispielsw. von bpm in einen DIN-A5 großen Umschlag gesteckt und frankiert mit 1,45 € an die online beim Weiterleitungsauftrag angegebene Adresse weitergeleitet. Da die Sendungen nicht eingeschrieben versandt werden, ist eine Weiterleitung problemlos möglich und erspart den Besuch in Frankreich.

Mehr Infos Bearbeiten

sosh Bearbeiten

Sosh2

Sosh ist eine online Billigmarke von Orange, dem Markenauftritt der französischen Telekom. Sie wurde 2011 als Reaktion auf Free mobile aufgebaut und hat etwa 4 Mio. Kunden. Einziges Angebot sind sog. Forfaits als postpaid Laufzeitverträge, die jederzeit kündbar sind mit einem Kombipaket aus Anrufen, Internet-Daten und SMS/MMS, die komplett im EU/EWR-Roaming und der Schweiz gültig sind. Da in Frankreich der Preiskampf über Forfaits geht, werden Daten darüber sehr günstig verkauft.

Vorraussetzungen Bearbeiten

Sosh ist ein eher kompliziertes Produkt für die Benutzung in Deutschland und eignet sich nur gut für Experten, die entweder einen engen Bezug zu Frankreich haben, die Sprache sprechen und auch häufiger vor Ort sind bzw. Bekannte dort haben oder ihren Urlaub im Land verbringen. Die Beantragung der SIM-Karte beinhaltet einige Hürden und man sollte sich dabei nicht nur vom rechnerisch sehr günstigen Preis blenden lassen.

Grundsätzlich braucht man zunächst ein französisches Bankkonto, um einen sosh-Vertrag abzuschließen. Die Beantragung besteht also aus mehreren Schritten:

  1. den Antrag für ein französisches Bankkonto in einer Bankfiliale in Frankreich
  2. den online Antrag für einen Sosh-Vertrag unter Verwendung der franz. IBAN
  3. die Abholung der SIM-Karte von einer Poststation der Chronopost in Frankreich (oder ggf. Versand an franz. Adresse mit Nachsendung über Weiterleitungsdienst)

Für den ersten und dritten Schritt ist zumindest jeweils ein separater Aufenthalt in Frankreich erforderlich in einem gewissen Zeitrahmen von 1-2 Wochen. Der zweite Frankreich-Besuch im dritten Schritt könnte wegfallen, wenn die SIM-Karte über einen Weiterleitungsdienst nach Deutschland geschickt werden kann <noch nicht geklärt s.u.>.

Da zwei rechtskräftige französische Verträge geschlossen werden, sollte man diese zumindest grundsätzlich verstehen, um einschätzen zu können, worauf man sich einlässt. Aufgrund dieser hohen Hürden eignet sich das Produkt nur für Frankreich-Fans oder Bewohner der Grenzgebiete, steht aber grundsätzlich auch allen deutschen Staatsbürgern offen.

Französisches Bankkonto Bearbeiten

Zur Beantragung eines sosh-Vertrags braucht man ein französisches Konto mit relevé d’identité bancaire (Bescheinigung der franz. Bankverbindung) in Form der dortigen Kontonummer (RIB) oder IBAN. Eine deutsche IBAN reicht dafür nicht aus, kann aber darauf später gewechselt werden. Eigentlich wird das franz. Konto nur für den sosh-Antrag und die ersten Monate benötigt und kann später ruhen bzw. wieder geschlossen werden.

Leider ist Frankreich bei online geführten Konten noch sehr bürokratisch und es gibt nicht einfach komplett online abzuschließende Angebote wie bei uns. Man muss also bei einer französischen Bank vor Ort vorsprechen und telefonisch einen Termin vereinbaren. Zur Kontoeröffnung werden einige Unterlagen wie Ausweis, Steuernachweis in Deutschland, oft auch Gehalts- oder Vermögensnachweis in Form von Kontoauszügen und zusätzliche Unterlagen benötigt, die man vorher abklären sollte. Manche Banken fordern darüber eine Sicherheitseinlage. Auch muss man sich um den Grund der Kontoführung in Frankreich etwas einfallen lassen, wie ein Ferienhaus oder Immobilienkauf usw. Einen französischen Adressnachweis ist für ein compte non-résident nicht erforderlich. Diese Ausländer-Konten haben etwas zwar weniger Leistung, wie keinen Dispo-Kredit oder Kreditkarte. Man bekommt aber seinen RIB (s. Bild), eine franz. Carte Bancaire (CB) - eine Art Girocard und Schecks.

Der konkrete Annahmeprozess hängt sehr vom Bankberater und den örtlichen Gegebenheiten ab, sowie der Bank selbst. Beispielsweise bietet die Crédit Agricole ein Basiskonto für 2 € monatlich an, ähnliches die Banque Postale und einige andere franz. Banken. Komplett gebührenfreie Konten gibt es in Frankreich nicht. Diese Kosten muss man also zu den monatlichen Paketen dazurechnen.
Rib-releve-identite-bancaire
Wenn man alles zusammen hat, kann die Eröffnung bei einem einzigen Termin gelingen. Gerade hierfür sind französische Sprachkenntnisse in weiten Teilen des Landes unerlässlich. Fehlt ein wichtiges Dokument, muss man nochmal hin. Ist alles fertig, verlässt man die Bank mit einer RIB, einer IBAN (s.o.) und einem Bankkonto, auf das man zumindest den ersten Monatspreis von sosh überweisen sollte, da er später von sosh abgebucht werden könnte.

sosh Vertragsabschluss Bearbeiten

Vor dem Kauf sollte man sicherheitshalber den Prozess mit jemanden, der französisch spricht, durchgehen. Für die Beantragung, die nur online auf der sosh Website geht, braucht man seinen deutschen Reisepass, eine (deutsche) Kreditkarte und die IBAN des franz. Kontos. Die Website wird nur auf französisch angeboten. Man sucht sich seinen passenden Forfait aus und startet den Prozess. Dieser ist relativ einfach und deutsche Reisepässe werden akzeptiert. Als Adresse kann man sein Hotel oder AirBnB angeben oder einen anderen Ort in Frankreich, wo man in der Nähe von einem Point Relais der Chronopost die SIM-Karten-Lieferung abholen möchte. Eine franz. Telefonnummer ist dafür nicht erforderlich und kann deshalb ausgedacht sein, weil man darauf nicht angerufen wird, sondern höchstens eine Abholnachricht erhält, die auch per Email von Chronopost kommt.

Bei der Bezahlung der SIM-Karte sollte man besser nicht das SEPA-Mandat wählen, sondern eine Carte Bancaire, die inzwischen auch eine deutsche Kreditkarte sein kann (comdirect und ING-diba sind verifiziert). Die einmalige Gebühr für die Ausstellung der SIM beträgt 5 €, die gesondert von der Kreditkarte oder CB abgebucht wird. Zum Abschluss der Buchung muss man noch seine franz. IBAN eingeben für das SEPA-Mandat. Die Lieferung nach Frankreich ist gebührenfrei. Man bekommt am Ende der Bestellung eine Email über die Annahme des Vertrags.

Abholung beim Point Relais Bearbeiten

Chronopost

Etwa 5 Werktage später kann man an dem beim Bestellungsprozess genannten Point Relais der Chronopost seine SIM-Karte abholen. Man bekommt zuvor eine Email nach Eintreffen von Chronopost (und ggf. auch eine SMS von sosh, wenn man eine gültige franz. Handynummer angegeben hat). Die SIM wird dort bis zu 7 Tagen gelagert und man sollte versuchen, sie in dieser Periode auch abzuholen. Man muss bei Abholung seinen Ausweis zeigen.

Sie ist nach Entgegennahme entweder im franz. Orange-Netz durch einen Anruf an die 740 und die Eingabe der Kundennummer zu aktivieren oder alternativ im online Account (Espace client) auch aus Deutschland aus. Nach einem Neustart stehen nur Funktionen in Frankreich zur Verfügung. Das Auslands-Roaming wird erst einige Tage später freigeschaltet und die erste Abbuchung erfolgt meist nach Wochen von franz. Konto. Das kann man später auf schriftlichen Antrag auch auf ein deutsches Konto verändern. Man benötigt also streng genommen das franz. Konto nur für den Vertragsantrag und ggf. die erste Monatsgebühr, da die Kontoübertragung etwas Zeit kostet.

Alternativ könnte auch der Versand der SIM-Karte an eine französische Postadresse erfolgen, die man von einem Weiterleitungsdienst erhalten hat. Dadurch spart man sich den zweiten Besuch in Frankreich in einem engen Zeitrahmen. Allerdings ist die Weiterleitung davon abhängig, ob die SIM-Karte regulär verschickt wird oder per Einschreiben, was beim Empfang für die Weiterleitung Probleme bereiten kann <noch nicht abschließend geklärt>.
Sosh3

Tarife Bearbeiten

Sosh bietet einzig Forfaits Mobile an. Das sind monatlich kündbare Laufzeittarife mit einem Combo-Paket aus Anrufen, SMS/MMS und mobilen Internet für jeweils 30 Tage:

Monatspreis Daten Gespräche SMS/MMS Ausland
4,99 € 100 MB 2 Stunden Flat
9,99 € 100 MB Flat Flat
19,99 € (#) 20 GB Flat Flat SMS-Flat nach Europa
24,99 € 50 GB Flat Flat (+)

(#) = Der Monatspreis von 19,99 € wird für Neukunden mehrmals im Jahr als Promotion auf 9,99 € gesenkt. Er ist aber nur maximal 1 Jahr gültig, bis er auf 19,99 € steigt. Einigen Nutzern wurden nach Ablauf Verlängerungs-Angebote zum alten Angebotspreis gemacht.

(+) = Tarif enthält SMS-Flat nach Europa, Anruf-Flat nach Kanada, USA (gilt nicht aus dem Roaming) und ins europäische Festnetz.

Die Gebühr beim Überschreiten des Datenkontingents beträgt 0,05 € pro MB. Braucht man mehr Daten bietet sosh einmalige Pass Internet oder monatlich sich erneuernde Options Internet an:

  • Pass Internet (einmalig): 200 MB für 5 € und 1 GB für 5 € zu den beiden kleinen Tarifen und 1 GB für 5 € und 20 GB für 25 € für die beiden großen.
  • Option Internet (monatlich): 2 GB für 5 € für die beiden kleinen Tarife und 5 GB für 10 € bzw. 50 GB für 25 € für die großen.

Das Angebot von sosh wird monatlich vom Konto abgebucht und ist "sans engagement" d.h. ohne Laufzeit-Bindung. Man kann den Vertrag im online Bereich einfach per Mausklick zum Monatsende kündigen. Im Espace Client ist es auch möglich, monatlich zwischen den Tarifen zu wechseln oder den Vertrag für 5 € monatlich zu pausieren.

Roaming Bearbeiten

Während in Frankreich nur das relativ gut ausgebaute Netz von Orange verfügbar ist, sind die Roaming-Optionen sehr vielfältig. Alle Paketinhalte (Anrufe, Daten, SMS, MMS) werden bislang ohne eine FUP oder anderweitige Begrenzung voll auch im europäischen Roaming zu "Roam like at home" Bedingungen angerechnet und herausgegeben. Zur Roamingzone gehören neben den Ländern der EU/EWR auch die franz. Überseeprovinzen (auch jene, die nicht der EU zugerechnet werden), die Schweiz und Andorra. Einzig die Anrufflat nach Nordamerika gilt aus dem Roamingnetz nicht.

In Deutschland roamt sosh bevorzugt im Netz von Vodafone in 2G/3G/4G. Daneben geht auch das Netz der Deutschen Telekom in 2G/3G/4G und von Telefónica in 2G/3G ohne 4G. Es besteht allerdings ein gewisses Steering hin zu Vodafone, d.h. die SIM bucht sich automatisch dort ein und wechselt ggf. auch mal selbstständig dahin. Die Geschwindigkeit ist nicht gekappt und die Latenz normal für Roamingverkehr leicht erhöht. Einige Nutzer berichten von Problemen bei der Datennutzung des Handys als mobilen WiFi-Hotspot (Tethering-Funktion) und der Verfügbarkeit des einen oder anderen Netzbetreibers.

FUP Bearbeiten

Bislang verzichtet sosh sowohl auf eine Zeit- als auch auf eine Volumen-FUP im Roaming. In ihren AGB hat sosh allerdings Vorkehrungen getroffen, eine Zeit-FUP einzuführen. Sie sprechen von "Missbrauch" bei überwiegender Nutzung im Ausland innerhalb von 4 Monaten gemäß EU-Regeln. Sollte dies festgestellt werden, erhalte der Kunde eine SMS und habe danach 2 Wochen Zeit sein Nutzungsverhalten diesbezüglich zu ändern. Fände dies dann nicht statt, seien sie berechtigt im Jahr 2019 etwa 0,54ct pro MB (= 5,40€/GB) Aufpreise für Roaming zu erheben.

Bisher ist eine Umsetzung dieser FUP-Regelung nicht bekannt geworden. Alle Paketinhalte werden ohne Aufpreise im EU-Roaming herausgegeben und dies wird auch von sosh aktiv beworben. Da sie aber Roamingdaten zum Inlandspreis von 0,50 € pro GB weit unter dem Vorleistungsentgelt an die Roamingnetze verkaufen, kann durchaus eine Umsetzung der FUP noch zum späteren Zeitpunkt erfolgen, was insbesondere bei einem Postpaid-Vertrag kritisch ist. Sosh muss 14 Tage vor der Umsetzung an den Kunden dazu eine SMS-Nachricht senden, die man dann auch besser beachten sollte, um eine hohe Rechnung zu vermeiden.

Fazit Bearbeiten

Sosh bietet mit 0,50 € pro GB (im 9,99 € Promo-Tarif mit 20 GB) sehr günstige Roamingdaten in deutschen Netzen. Man sollte aber nicht nur den Preis sehen. Es sind einige Hindernisse zu bewältigen, wodurch sich sosh nur für einen sehr eingeschränkten Personenkreis mit Frankreich-Bindung eignet. Dazu kommen noch Kontogebühren und der erhebliche Aufwand, den man von Deutschland aus für den Vertrag hat mit Reisen nach Frankreich, sowie auch etwas unsichere AGBs, die es fraglich erscheinen lassen, ob so der Tarif dauerhaft im Roaming angeboten werden wird.

Weitere Infos Bearbeiten

In Forum des Telefon-Treffs gibt es 3 Threads, die sich mit sosh beschäftigen und die ein Interessent besser durchgelesen haben sollte, wenn noch Fragen offen sind:

Weitere Anbieter (Orange, SFR, Bouygues) Bearbeiten

Prepaid Bearbeiten

Wie in der Einleitung schon vermerkt, ist der Prepaid-Markt in Frankreich wegen der Verfügbarkeit monatlich kündbarer Verträge in Frankreich preislich wenig attraktiv. Die Free-Konkurrenten Bouygues und SFR bieten kein oder nur sehr eingeschränktes EU-Roaming. Einzig Marktführer Orange bietet auf seinem Prepaid-Produkt Mobicarte und die Touristen-SIM das volle EU-Roaming incl. der Schweiz an. Die Preise sind aber für Frankreich teuer und entsprechen in etwa den deutschen. Daher erübrigt sich hier eine nähere Betrachtung.

Laufzeitverträge Bearbeiten

Der Preiskampf in Frankreich wird über die Laufzeitverträge mit monatl. Kündigungsmöglichkeit geführt (sog. forfaits sans engagement). Hier sind absolut niedrige Inlandspreise wie 50 GB für 5 € machbar. Allerdings beschränken auch hier SFR und Bouygues das Roaming mit FUPs, nur Orange und seine Reseller nennen sie bisher nur, setzen sie aber nicht um. Diese Verträge können Deutsche in der Regel nicht abschließen, weil dafür ein französisches Bankkonto über einen RIB (Relevé d’Identité Bancaire) nachgewiesen werden muss. Die Ausnahmen sind bisher Free Mobile ohne franz. Konto und sosh mit franz. Konto.

Fazit Bearbeiten

Frankreich wäre eigentlich ziemlich uninteressant für unsere Zwecke, trotz durchweg günstiger Tarife, weil es dort kaum echtes Prepaid mehr gibt - wären da nicht Free Mobile und auch sosh. Wenn man mit all den genannten Einschränkungen und Hürden leben kann, stellen beide gute Angebote für Roaming bei uns und in anderen Ländern dar. Man muss zum Kauf nach Frankreich fahren oder eine Postweiterleitung nutzen und muss einige vertragliche Regeln und Besonderheiten für Laufzeitverträge beachten. Dafür erhält man jedoch bei Free bis zu 25 GB für knapp 20 € pro Monat, was einem rechnerischen pro-GB Preis von 0,80 € entspricht und selbst dann nicht über 1 €/GB steigt, wenn man die 10 € SIM-Gebühr noch auf 4 Monate aufaddiert, die man mind. ohne Aufpreise roamen dürfen muss. Bei sosh sind die Preise noch günstiger mit 0,50 €/GB, wogegen ein erheblicher Mehraufwand durch die geforderte franz. Bankverbindung gegeben ist, die zwar für Deutsche nicht unmöglich, aber doch mit hohen Hürden versehen ist.

Wie bei allen Laufzeitverträgen, die von einer FUP bedroht sind, sollte man aber die SMS-Mitteilungen des Anbieters stets im Auge behalten, um eine hohe Rechnung zu vermeiden.

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